Asiens Aktien steigen: Jetzt liegt es an Jerome Powell und dem Wort "somewhat"

Asiens Aktien legen vor dem mit Spannung erwarteten Redetext von Fed-Chef Jerome Powell in Jackson Hole um 16 Uhr deutscher Zeit zu.

Hongkongs Hang Seng Index, der gestern ein Todeskreuz ausgebildet hat, stieg um 0,4 Prozent. Der Stadtstadt steht aufgrund der Proteste für mehr Demokratie seit Wochen im öffentlichen Fokus. Auch an diesem Wochenende werden wieder Demonstrationen erwartet.

Die Proteste, die Anfang Juni begannen, haben die Finanzmetropole in die schwerste Krise seit der Übergabe an Peking im Jahr 1997 gestürzt. Der Hang Sang Index kollabierte von seinem Jahreshoch knapp 3.000 Punkte in den vergangenen Wochen.

Chinas Shanghai-Composite und der Shenzhen-Component gewannen 0,6 bzw. 0,2 Prozent.

Für etwas Unterstützung im asiatischen Handel sorgten die Aussagen von Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow in einem Interview mit Fox. Er erwarte noch immer, dass sich die chinesischen Unterhändler im September in Washington mit der Trump-Administration treffen werden, um die Handelsgespräche zur Lösung des Konflikts fortzusetzen.

Die Verhandlungsvertreter aus Washington und Peking hatten am Mittwoch eine "produktive Telefonkonferenz", sagte er.

Der japanische Nikkei 225 stieg um 0,4 Prozent und das, obwohl sich Japan und die USA auf kein Handelsabkommen einigen konnten. Reuters berichtete, dass der japanische Wirtschaftsminister Toshimitsu Motegi und der US-Handelsbeauftragte Robert Ligthizer am Donnerstag vierstündige Gespräche führten, aber beschlossen, die Gespräche um einen weiteren Tag zu verlängern.

Die beiden Verhandlungsparteien seien sich aber "näher gekommen, um eine Einigung zu erreichen", sagte Motegi gegenüber Journalisten. "Es ist wie es ist, aber wir arbeiten daran", sagte Motegi über die Verhandlungen und fügte hinzu, dass er sich am Freitag erneut mit Lighthizer treffen werde.

Südkoreas KOSPI gab leicht nach, als sich der Handelskonflikt mit Japan zuspitzte. Südkorea kündigte ein Abkommen über einen geheimdienstlichen Informationsaustausch auf, das in der Vergangenheit für den Austausch über Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm installiert wurde.

In der Folge wertete der südkoreanische Won auf 1.211,50 zum US-Dollar ab.

Verteidigungsaktien aus Japan und Südkorea legten spürbar zu. Japans Kawasaki Heavy Industries (T:7012) stieg um 1,20 Prozent, Fujitsu (T:6702) um 1,15 Prozent und Mitsubishi (T:7211) Electric (T:6503) um 1,8 Prozent. In Südkorea gewannen die Papiere von Speco (KQ:013810) 1,30 Prozent, Victek Co Ltd (KQ:065450) 1,35 Prozent und Hanwha Aerospace (KS:000880) 1,70 Prozent.

In Down Under stieg der australische ASX 200 um 0,3 Prozent.

Der Fokus der Anleger geht nun auf den Redetext von Fed-Chef Jerome Powell in Jackson Hole, der um 16 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht wird. Anleger hoffen, dass der Notenbankchef klare Signale für den zukünftigen US-Zinspfad gibt, nachdem die Fed die Zinsen im Juli zum ersten Mal seit der großen Finanzkrise um 25 Basispunkte gesenkt hatte.

Aus den am Mittwoch vorgelegten Mitschriften des Offenmarktausschusses der Fed geht zwar hervor, dass einige Mitglieder eine größere Zinssenkung gefordert hatten, aber andere wollten das Leitzinsniveau dagegen unverändert lassen. Gestern hatten dann die Mitglieder Harker und George ihren Standpunkt klargemacht und gesagt, dass sie das aktuelle Zinsniveau für angemessen halten.

Sofern Powell die Zinsen im September erneut absenken will, bietet ihm dafür Jackson Hole die perfekte Bühne.

Die US-Großbank Morgan Stanley (NYSE:MS) glaubt, dass sich Powell alle Optionen offen halten wird, indem er sagt, die Fed werde "entsprechend handeln, um die Expansion zu unterstützen".

Morgan Stanley-Analystin Ellen Zentner glaubt sogar, dass das Wort "somewhat" den Unterschied machen könnte, wenn es um die Größe der Zinssenkung im September geht. Anleger könnten bei der Verwendung des Wortes "somewhat" (ein bisschen“ mit einem Zinsschritt von 25 Basispunkte rechnen. Sollte Powell indes betonten, dass die Abwärtsrisiken zugenommen haben und das Wort "somewhat" weglassen, so könnte eine größere Zinssenkung ins Haus stehen. Dies sei Stand heute aber unwahrscheinlich, so Zentner.

Gelingt Powell die Märkte davon zu überzeugen, dass die Fed bereit ist, die Zinsen stärker zu senken, so bestünde die Möglichkeit, die drohende nachhaltige Inversion der zwei- und zehnjährigen US-Rendite, die in den vergangenen 9 Tage drei Mal umgekippt ist, wieder in den Normalzustand zu bringen. Von größerer Bedeutung, und das betonte ja auch die Fed am Mittwoch in ihren Minutes, ist aber die dreimonatigeund die zehnjährige US-Rendite, die nun seit mehr als 60 Handelstagen dauerhaft invertiert ist - und das um mehr als 30 Basispunkte.

von Robert Zach


Quelle: investing.com


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