NIO Inc. ES6: BILLIGER UND BESSER ALS AUDI UND MERCEDES!!!

Was Tesla kann, kann Nio schon lange. Zwar läuft bei dem Start-up aus China auch nicht alles rund, doch zumindest die Produktoffensive rollt. Der ES6 als weiteres Serienmodell steht in den Startlöchern - gerade noch rechtzeitig für das Rennen mit den deutschen Konkurrenten Audi E-Tron und Mercedes EQC, die ebenfalls noch in diesem Jahr ihren Weg nach China finden und sich auf dem mit Abstand größten und wichtigsten Markt für Akku Autos behaupten sollen.

Mit dem ES6 werden die Stars unter den deutschen Stromern beim Auswärtsspiel einen starken Gegner haben. Denn der 4,85 Meter lange Geländewagen sieht nicht nur gut aus und ist augenscheinlich sehr ordentlich verarbeitet – obwohl er trotz weitaus besserer Ausstattung mit Luftfederung, Head-Up-Display oder automatischer Abstandsregelung bei einem Grundpreis von 358.000 RMB oder umgerechnet 47.500 Euro mehr als ein Viertel billiger ist.

Vor allem fährt er sehr ordentlich. Seine beiden E-Motoren leisten im besten Fall 400 kW/544 PS und 725 Nm. Sie katapultieren den Wagen trotz seiner 2,3 Tonnen in 4,7 Sekunden auf Tempo 100 und wo Mercedes oder Audi bei 180 Sachen Schluss machen, lässt Nio dem ES6 Auslauf bis Tempo 200. Zwar ist der Nio gemütlicher abgestimmt, als man es für einen Geländewagen erwarten würde, der im Geiste auch mit AMG & Co konkurriert. Doch weil Nio seinen Einstand mit dem Rundenrekord auf der Nordschleife gegeben hat, muss sich auch der ES6 auf der Rennstrecke behaupten und macht seine Sache dort überraschend gut: Ein bisschen Feintuning auf dem Weg nach Westen, und der ES6 schlägt sich auch beim Sport nicht viel schlechter als die übergewichtigen Power-SUV aus Affalterbach oder Garching.

Die Energie für dieses Engagement liefert ein Lithium-Ionen-Akku von 70 kWh, der für 430 Kilometer reichen soll. Wer 6.600 Euro mehr bezahlt, bekommt noch einmal 14 kWh extra und kann 80 Kilometer weiter fahren. Auch das passt ins Konkurrenzumfeld.

Während der ES6 mit E-Tron und EQC bei Antrieb und Akkus gleichauf ist, sind die Chinesen den deutschen in einigen Punkten sogar voraus: Nicht nur, dass er neben dem winzigen Display hinter dem Lenkrad einen riesigen Touchscreen in der Mittelkonsole hat und dass einem aus dem Armaturenbrett ein kleiner Kamerad anblinzelt, der als „Nomi“ dem digitalen Sprach- und Bediensystem im Stil von Siri & Co buchstäblich ein Gesicht gibt.

Über die Spielereien für die Digital Natives hinaus gibt es ein paar echt praktische Details, die bei uns noch nicht einmal ein Maybach zu bieten hat: So ist die seitlich offene Mittelkonsole groß genug, dass darin die Handtasche oder die High Heels der Beifahrerin verschwinden. Der Schminkspiegel hat mehr Format als in einer Garderobe am Filmset in Hollywood.

Und wo Mercedes & Co ein Raumparfüm bieten, hat Nio eine Duftorgel mit gleich fünf Kartuschen montiert. Statt wie so viele gelangweilte Passagiere im chinesischen Dauerstau die Füße unter die Frontscheibe legen zu müssen, kann man sie im Nio bequem auf einem Ottomanen im Fußraum abstellen. Wie sonst nur im Flugzeug in der Business Class oder im Fond mancher Luxuslimousine lässt sich beim Nio der Beifahrersitz elektrisch in eine Liege verwandeln. Und wer dem Nachwuchs auf dem Rücksitz den Schnuller reichen will, der muss sich nicht mühsam verrenken, sondern kann seinen Sitz mit einem Knopfdruck entriegeln und dann so weit nach hinten fahren, bis der Stuhl am Rücksitz anschlägt.

Der Luxussessel für den Sozius und das erste Tamagotchi der PS-Welt - das mögen Spielereien sein, die in China besser ankommen als in Deutschland und vielleicht nicht über Wohl und Wehe des ES6 entscheiden.

Doch beim Ladekonzept sieht das etwas anders aus. Denn neben einer konventionellen Schnellladung hat Nio gleich noch zwei einzigartige Möglichkeiten zur Verfügung. Wem im Nirgendwo der Saft ausgeht, der ruft den „Charging Van“, der wie eine riesige Powerbank voller Akkus steckt und so überall Starthilfe geben kann.

Und wer es eilig hat, fährt an eine der mittlerweile knapp zwei Dutzend „Power Stations“, die Nio, ähnlich wie Tesla seine Supercharger, an den wichtigsten Überlandstrecken installiert hat. Dort werden die Batterien nicht geladen, sondern automatisch gewechselt. Das dauert im besten Fall nur drei Minuten und verkürzt den Boxenstopp auf Zeiten, wie man sie nicht einmal vom Benziner kennt, sagt Vizechef Lihong Qin.

Doch bevor jetzt auch Europäer hellhörig werden, rudert er schnell zurück. Denn so ein Netzwerk außerhalb Chinas aufzubauen, hält er für denkbar unwahrscheinlich. Nicht nur wegen der Kosten, sondern vor allem wegen der Genehmigungen. „An den Verwaltungsakt trauen wir uns gar nicht zu denken.“ Die Chinesen tun es einfach und haben riesigen Erfolg.

Technisch auf Augenhöhe mit Audi und Mercedes, im Innenraum sogar schon weiter und dazu noch deutlich günstiger - es ist je nach Perspektive eindrucksvoll oder erschreckend, was Nio in fünf Jahren auf die Beine oder besser auf die Räder gestellt hat.

Die ehrgeizigen Expansionspläne ins Ausland werden laut Mitgründer natürlich Geld kosten, was allerdings sehr gut angelegt sein wird. „Dieses Geld müssen wir hier in China verdienen“, sagt Qin und schielt auch deshalb gespannt auf die Verkaufszahlen des ES6, der schon bald den ES8 überflügeln soll.

Doch wenn der Absatz wie bisher noch weiter anzieht, dann wird auch der Aktionsradius größer, verspricht Qin und will sich mit E-Tron & Co bald auch im Auswärtsspiel messen: „Spätestens in fünf Jahren sind wir auch in Europa auf dem Markt“.

Quelle: Independent Research 16.07.2019



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